Wie finde ich einen guten (Physio)Therapeuten?

Berechtigte Frage. Denn schließlich wollen wir ja alle in den Genuss einer gut geplanten, kompetenten und wenn möglich zielführenden Therapie kommen.

Also, worauf sollte man als „Laie“ bei der Therapeutenwahl achten…?

Hier ein paar Vorschläge von mir (alle Angaben ohne Gewähr):

Kompetenzen. Jemand, der viele Zertifikate vorweisen kann, ist nicht automatisch ein guter Therapeut. Aber im Gespräch können wir ein Gefühl dafür bekommen, ob die Person auch das verkörpert, was sie erzählt und ob sie es aus einer inneren Überzeugung in die Therapie einfließen lässt. Ob sie in der Lage ist, dieses Wissen verständlich zu vermitteln und Fachwissen in Laiensprache zu übersetzen. Ob unsere Wahrnehmung von der Person einfach in sich stimmig erscheint (und ich bin der festen Überzeugung, wir Menschen haben einen sehr guten Radar hierfür).

Aktiv vor passiv. Gute Therapie bedeutet nicht, sich hinlegen und gesund machen zu lassen. Es kann durchaus sinnvoll sein, den Körper auf bestimmte Herausforderungen vorzubereiten oder ihn in bestimmten Phasen mit passiven Maßnahmen zu unterstützen. Die Gewichtung muss stimmen. Aktivität ist der Schlüssel zur Progression. Wenn ich Treppensteigen trainiere, werde ich im Treppensteigen besser, aber nicht unbedingt beim Bewältigen von langen Strecken. Es geht darum, den Körper in vielfältiger Weise herauszufordern, um die allgemeine Belastbarkeit zu verbessern. Das geht nur über Aktivität. Über sinnvolle Aktivität, die zum Kontext und zum Ziel passt. Kein Mensch wird nach der zehnten Einheit rein passiver Therapie wie durch Wunder plötzlich die Treppen ohne Probleme steigen können, wenn er es seit einem halben Jahr nicht mehr gemacht hat. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren…

Motivation. Ein Therapeut muss nicht immer nur nett und freundlich sein. Manche Dinge möchte man vielleicht nicht gerne hören, aber es ist die Aufgabe des Therapeuten aufzuzeigen, wo der Weg in eine Sackgasse führen und welche Alternative sinnvoller sein könnte. Auch unangenehme Dinge kann man emphatisch rüberbringen. Dies ist aus meiner Sicht eine, der Kernqualifikationen eines guten Therapeuten, Empathie (und damit meine ich nicht mentale Empathie, sondern mitfühlende Empathie, denn aus meiner Sicht beginnt wahres Mitgefühl dort, wo wir uns in Dinge einfühlen können, die wir eigentlich nicht verstehen!!!).

Struktur. Gibt es einen nachvollziehbaren roten Faden oder finden die Therapien unabhängig und lose voneinander statt? Es kann natürlich Sinn machen, den Behandlungsverlauf an die Tagesform anzupassen, wenn es mal Hindernisse oder Einschränkungen geben sollte. Ich meine eher, ob deutlich wird, dass es in die „richtige“ Richtung geht. Wenn das Problem nach zehn Einheiten in der gleichen Form vorliegt, sollte aufjedenfall mal nachgehakt werden, ob das ein typischer Verlauf ist (in seltenen Fällen dauern Veränderungen etwas länger, aber das sollte der Therapeut deutlich und nachvollziehbar erklären können, vielleicht auch schon vor Beginn der Therapie, als Beispiel kann ich chronifizierte Schmerzen anführen, die keine eindeutige Ursache aufweisen, hier brauchen wir einen anderen zeitlichen Rahmen…).

Einfühlungsvermögen. Wenn ich mich als Pat. nicht ernst genommen fühle, stimmt etwas nicht. Werden meine Aussagen abgetan oder heruntergeredet, denke ich, gibt es nicht lange zu fackeln. Das ist reine Zeitverschwendung. Damit will ich nicht sagen, dass alles, was der Pat. erzählt „richtig“ sein muss, aber falsche Vorstellungen korrigieren oder jemanden nicht ernst nehmen sind zwei völlig verschiedene Welten.

Die extra Prise. Ein guter Therapeut holt sich auf vielen verschiedenen Ebenen Informationen. Und ein besonders guter versucht diese Informationen so zu verwerten, dass die Therapie nicht nur Sinn bekommt, sondern vielleicht sogar auch ein bisschen Spaß machen kann. Als Beispiel: wenn jemand erzählt, dass er in seiner Freizeit gerne Basketball spielt, dann kann man so einen netten Ball sehr gut in die Therapie einbauen. Nicht nur als Motivation, sondern auch als Spaßfaktor. Interessant ist nämlich, dass unser Gehirn Bewegungen mit Emotionen abspeichert und wir können „bessere“ Bewegungsmuster aus alten Speichern rekrutieren, wenn wir positive Bewegungs-Erinnerungen aktivieren oder zurückholen, z.B. über einen Basketball.

Ehrlichkeit. Auch ich musste schon desöfteren sagen, dass ich Pat. einfach nicht weiterhelfen kann. Oder dass ich etwas nicht weiß. Oder keine Antwort auf die Frage habe. Ich persönlich finde Ehrlichkeit im therapeutischen Rahmen so viel authentischer als mir irgendwas aus den Fingern zu saugen, um bloß nicht als inkompetent abgestempelt zu werden. Dreh den Spieß doch mal um: was würdest du dir selbst wünschen? Dass man dir ehrlich sagt, wenn man keine Antwort hat oder dass man halbherzig eine Antwort zusammenbastelt nur um sich nicht blöd zu fühlen? Wovon wirst du als Pat. wohl mehr profitieren…?

Und zum Schluss: aufs Bauchgefühl hören! Wenn es nicht passt, dann passt es eben nicht. Die Gründe sind eigentlich egal. Es ist deine Zeit und deine Gesundheit, die am Ende darunter leidet.

Noch Fragen? Fragen.

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