Was sind Leitlinien und wozu dienen sie? Teil 1

Leitlinien sind Feststellungen und Aussagen, die systematisch entwickelt werden, um einen optimalen Behandlungsansatz zu definieren. Sie sind nicht rechtlich bindend im Gegensatz zu Richtlinien, aber enthalten in der Regel den „Goldstandard“ der zielgerichteten Behandlung und sind für Ärzte, Therapeuten UND Patienten öffentlich zugänglich.

Sie werden in unterschiedliche Grade eingeteilt, dazu gehören…


S1-Leitlinien: informelle Konsensfindung von Expertengruppen; empirische Handlungsempfehlung durch Erfahrung

S2k-Leitlinien: formale Konsensfindung

S2e-Leitlinien: evidenzbasiert, es hat eine systematische Recherche stattgefunden

S3-Leitlinien: evidenz- UND konsensbasiert; alle Schritte einer systematischen Recherche wurden durchlaufen; kritische Auseinandersetzung


wobei die S3-Leitlinie den höchsten Grad an methodischer Qualität und Durchführung darstellt.

Zusatzwissen: Zusätzlich werden Leitlinien nach Evidenzklassen eingeteilt. Diese sind nicht einheitlich und gliedern sich bei Cochrane Deutschland bspw. in…

Ia: Analysen von randomisierten kontrollierten Studien (RCT)
Ib: Analysen von mindestens einer RCT
IIa: Analyse von nicht randomisierten kontrollierten Studien
IIb: Analyse von experimentellen Studien
III: deskriptive Studien, Vergleichsstudien
IV: Evidenz aufgrund von Experten-Ausschüssen und -meinungen durch klinische Erfahrung

Hier ist die Klasse Ia diejenige, mit der höchsten Evidenz.

Der Nutzen von Leitlinien liegt darin, dass [die Transparenz medizinischer Entscheidungen gefördert werden. Sie werden entwickelt, indem zu speziellen Versorgungsproblemen Wissen aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und gewertet wird. Zudem ist eine Berücksichtigung und Diskussion gegensätzlicher Standpunkte und besonderer situativer Erfordernisse wichtiger Bestandteil der Leitlinienentwicklung. Leitlinien entbinden […] nicht von der Überprüfung der individuellen Anwendbarkeit im konkreten Fall, sie dienen lediglich als Entscheidungshilfen […] Quelle: https://www.cochrane.de/de/leitlinien

Umso wichtiger ist es für Sie als Patient, medizinische Entscheidungen kritisch zu hinterfragen und auf ihren Gesundheitsbezug und Wahrheitsgehalt zu prüfen und dafür müssen Sie keineswegs vom Fach sein!

Im zweiten Teil dieses Beitrags möchte ich mit Ihnen ein Fallbeispiel durchgehen, um Ihnen zu zeigen, wie Sie Leitlinien zu Ihren Gunsten nutzen können.

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