Wichtigster Schritt für eine gute Therapie: Anamnese und Befunderhebung!

Oft werde ich darauf angesprochen, warum ich so viele Fragen stelle und nicht direkt anfange „Hand anzulegen“. Eine zielgerichtete erfolgreiche Behandlung ist ohne vorherige Anamnese UND Befunderhebung nicht möglich, denn sonst würde ich als Therapeut Lotto spielen in der Hoffnung vielleicht zufällig das richtige zu treffen. Frust, dass es nicht so recht vorangeht, ist hier quasi vorprogrammiert.

Je ausführlicher das Anamnesegespräch, desto mehr wichtige Informationen kann ich als Therapeut herausfiltern. Auslösemechanismen, Herausforderungen im Alltag, Vermeidungsstrategien, falsche Glaubenssätze, mögliche Hilfestellungen, etc. – oftmals sind es die Dinge zwischen den Zeilen, die für mich besonders interessant und von Belang sind. So formuliere ich während des Gesprächs innerlich eine oder mehrere Hypothese(n) für mögliche Ursachen. Dann geht es weiter mit den Assessments, d.h. mittels geeigneter Tests versuche ich herauszufinden, ob meine Hypothese stimmt. Je mehr positive Aussagen (Befunde) zusammen kommen desto wahrscheinlicher liege ich mit meiner Annahme. Hier ist wichtig, dass das, was der Pat. mir direkt oder indirekt erzählt (in Fachsprache: die Klinik), was auf den bildgebenden Verfahren zu sehen ist UND die Testergebnisse übereinstimmen müssen, um zu einer überzeugenden Erklärung zu kommen.

Gibt es keine Übereinstimmung muss die Diagnose in Frage gestellt und weiter geforscht werden…

Also, wenn Sie ein Therapeut das nächste mal wirklich ausführlich untersucht und vielleicht auch die ein oder andere „komische“ Frage stellt, seien Sie sich sicher, dass Sie in guten Händen sind, da er zielgerichtet und auf qualitativ hohem Niveau arbeitet.

Interessant zu wissen: neueste Ergebnisse aus der Schmerzforschung zeigen, dass Schmerz aus einem Zusammenspiel „biopsychosozialer“ Faktoren entsteht – das bedeutet: ein struktureller Schaden kann in den seltensten Fällen als alleinige Schmerzursache betrachtet werden.