rundum die Endoprothetik (TEPs) Teil 5

Ein Thema, dass alle nach einer TEP-OP beschäftigt: wann werde ich meine Stützen (endlich) los?

Leider gibt es keine pauschale Antwort auf diese Frage. Man kann nicht sagen „nach 4 Wochen brauchen Sie Ihre Stützen nicht mehr…“, denn mehrere Kriterien müssen erfüllt sein, um die Stützen abzutrainieren, daher kann die Frage nur individuell beantwortet werden.

Sie brauchen zunächst ein harmonisches Gangbild. Harmonisch bedeutet nicht perfekt. Wir haben alle so unsere Eigenarten, die zum Repertoire des normalen menschlichen Gehens gehören. Es gibt bestimmte Faktoren, die sind essentiell für das Gehen (z.B. genügend Streckung im Hüftgelenk oder gleich lange Schritte auf beiden Beinen). Und dann gibt es andere Faktoren, die man gerne vernachlässigen kann (z.B. nach außen zeigende Füße oder die Größe der Schritte). Ziel ist nicht wie im Lehrbuch zu gehen, sondern so, dass Dritte nicht mehr erkennen können, welches das operierte Bein ist.

Sie benötigen sowohl die Kraft als auch motorische Kontrolle, das operierte Bein voll zu belasten. Generell sollten wir Menschen in der Lage sein, für einen kurzen Augenblick auf einem Bein stehen zu können (das gilt für beide Beine, egal welches das kräftigere im Alltag ist), denn nichts anderes machen wir, während des aufrechten Gehens. Während ein Bein die gesamte Last trägt, lösen wir das andere vom Boden und schwingen es einen Schritt nach vorne – das bedeutet, wir stehen kurz auf einem Bein (das passiert beim Gehen ziemlich schnell, daher nimmt man das nicht so explizit wahr). Das können Sie ganz einfach alleine testen: stellen Sie sich jeweils auf ein Bein. Sind Sie in der Lage für ein paar Sekunden auf dem jeweiligen Bein stehen zu können oder brauchen Sie Hilfe über die Hände? Oder müssen Sie den Oberkörper stark zu einer Seite neigen, um stehenbleiben zu können? Stehen Sie auf dem operierten genau so gut wie auf dem nichtoperierten?

Sie brauchen nahezu volles Bewegungsausmaß im operierten Gelenk. Gibt es beispielsweise ein Streckdefizit im Knie oder der Hüfte hat sich die Frage des Gehens ohne Stützen eigentlich erledigt, denn Sie zwingen Ihren Körper dazu unphysiologisch zu gehen. Wenn in einem Gelenk Beweglichkeit fehlt, versucht unser Körper über die angrenzenden Gelenke zu kompensieren, da er die Schrittlängen beim Gehen auf beiden Beinen angleichen möchte (das gehört zur Gangökonomie und ist eine Priorität). Gehen ohne Stützen ist also keine Frage des Könnens (denn das würde vermutlich auch mit einem Streckdefizit gehen), sondern eine Frage der Bewegungsqualität. Nur so am Rande: eine „falsch“ eingeschliffene Bewegung rauszutrainieren, ist viel schwieriger und zeitaufwändiger.

Sie müssen ohne größere Schmerzen laufen können. Wenn die Gangmechanik als solche schmerzhaft ist, wird sie gestört erfolgen, denn das Gehirn hat ja das Bestreben, dass es uns gut geht und wird stetig versuchen uns aus der schmerzhaften Bewegung rauszuholen (spätestens dann, wenn wir uns nicht mehr auf das Gangbild konzentrieren).

Fazit: alle Kriterien sind gleich wichtig! Fehlt einer dieser Faktoren spricht das gegen ein Gehen ohne Stützen. Hier ist ein enger Austausch mit Ihrem Therapeuten gefragt, denn die Schwierigkeit besteht darin, die Gangqualität stetig zu verbessern ohne dass die Motivation dabei flöten geht. Es ist möglich mit Kompromissen zu arbeiten, damit es sich nicht total zäh und langweilig anfühlt. Auf der anderen Seite ist es nicht normal den ganzen Tag über das Gehen nachzudenken und gegenzusteuern. Ich arbeite viel lieber mit „Geh-Trainingseinheiten“. Öfter am Tag in kurzen Zeitfenstern mit Korrektur gehen und dann auch den Kopf wieder ausschalten. Anders tun wir es beim Vokabelnlernen ja auch nicht. Stellen Sie sich mal vor, Sie würden den ganzen Tag über Vokabeln nachdenken und versuchen Sie mit Gewalt in Ihren Kopf zu hämmern. Diese Energie lässt sich eindeutig besser nutzen…

Machen Sie sich folgendes bewusst: ob Sie einige Wochen nach der OP mit oder ohne Stützen gehen, hat so gut wie keine Aussagelraft über den Erfolg der OP!

In diesem Sinne: bleiben Sie in Bewegung!

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